Bericht von der Mitgliederversammlung

Passauer Neue Presse, Ausgabe Passau, 29.11.18

Ilztalbahn-Förderer drängen auf Regelbetrieb

Herbstversammlung des Fördervereins nach erfolgreicher Fahrsaison 2018 mit kritischen Tönen

Passau/Freyung. „Wir werden den öffentlichen Personennahverkehr deutlich stärken“, so ist im Koalitionsvertrag der neuen Bayerischen Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern nachzulesen. Dabei soll der ländliche Raum besondere Beachtung finden. Die Freunde der Ilztalbahn, die sich jetzt zur Herbstversammlung getroffen haben, schöpfen Hoffnung. Denn es heißt im Koalitionsvertrag auch ausdrücklich: Eisenbahnstrecken sollen „dort reaktiviert werden, wo das sinnvoll und möglich ist“.

Im zwölften Jahr des Bestehens der Bahnlinie Passau-Waldkirchen-Freyung und nach inzwischen 13 Jahren des Ringens um die sinnvolle Reaktivierung konnten Aktive des Ilztalbahn-Fördervereins auf ihre achte Fahrsaison nach Wiedereröffnung zurückblicken – hielten aber auch mit deutlicher Kritik an der „erkennbaren politischen Halbherzigkeit bei einer Stärkung des Schienenverkehrs“ nicht hinterm Berg.

Vorsitzender Michael Liebl konnte von Fortschritten bei den Bemühungen um die Sanierung des Bahnhofs Waldkirchen berichten, der sich im Eigentum des Fördervereins befindet. Der westliche Teil des Hauptgebäudes könnte im Rahmen eines EU-Projekts „Vom Goldenen zum Eisernen Steig“ für eine Dokumentation zur Geschichte und Bedeutung des Bahnverkehrs zwischen Passau und Wallern genutzt werden. Außerdem wäre Platz für ein umfassendes Informations- und Serviceangebot vor allem für Fahrgäste im grenzüberschreitenden Reiseverkehr.

Als Partner auf der böhmischen Seite steht der Verein der Freunde der Böhmerwaldeisenbahn zur Verfügung, der direkt an der Grenze ein Bahnmuseum betreibt. Das Museum soll deutlich aufgewertet und um die Dokumentation zur Geschichte des verschwundenen Dorfes Neuthal sowie auch des Böhmerwaldfotografen Josef Seidel ergänzt werden.

„Freistaat hat sich der Aufgabe entzogen“

Michael Liebl und mehrere Diskussionsteilnehmer äußerten Kritik an der „stiefmütterlichen Behandlung von bestehender Bahninfrastruktur“. Nach dem Willen des Bayerischen Landtags ist der Freistaat zur Erhaltung des Eisenbahnnetzes verpflichtet. Im Falle der Ilztalbahn habe sich der Freistaat bisher dieser Aufgabe entzogen. „Auf Dauer können wir als ehrenamtlich arbeitender Verein aber nicht 50 Kilometer Bahnlinie für die Allgemeinheit erhalten“, so Liebl.

MdL Toni Schuberl bestätigte: „Eigentlich sollten wir längst weiter sein, über den Lückenschluss nach Nove Udoli als kürzeste durchgehende Eisenbahnverbindung München-Passau-Krumau-Budweis sprechen, statt immer noch über die vom Landkreis Passau ausgebremste Potentialanalyse.“ Und zu den Verkehrsproblemen der Stadt Passau: „Ein Regelbetrieb mit den vorhandenen Bahnlinien ist für die Stadt Passau essenziell. Der Verkehrsinfarkt in Passau lässt sich nur mindern, wenn die Autos verringert und der ÖPNV verstärkt werden.“

Alt-MdL Bernhard Roos aus Passau machte deutlich: „Es ist eine realitätsfremde Politik des Landkreises Passau, keinen einzigen kleinen Nachteil für sein Gebiet zu akzeptieren. So funktioniert gemeinschaftliches Leben nirgendwo, auch nicht bei uns.“

Ein ganz andere Problem brachte Sunnhild Praxl, eine Bus- und Bahnnutzerin aus der Stadt Waldkirchen, zur Sprache: „Die ausgehängten Fahrpläne sind häufig unlesbar für Senioren. Mein Weihnachtswunsch wäre eine sich ständig aktualisierende Verbindungsanzeige an den Abfahrtsplätzen der Busse – so wie es an vielen Bahnhöfen vollkommen normal ist – für Bahn und dann weiter Bus.“

Um den Gedanken der Wiederinbetriebnahme der 25 Kilometer langen „Abteiland-Bahn“ zwischen Waldkirchen und Nove Udoli (Neuthal) aufrechtzuerhalten, hat sich in Jandelsbrunn ein eigener Verein gegründet. Erste Aktivität war unter anderem die Schaffung einer ständigen Unterkunft für den Gemeindekindergarten in einem alten Eisenbahnwaggon. Er wurde von der Knaus-Tabbert Lehrwerkstatt detailreich saniert und erfreut sich bei den Kindern großer Beliebtheit.

Reinhard Fildhuth als örtlicher Betriebsleiter und Christoph Fleissner berichteten von den vielfältigen Arbeiten der Infrastrukturgruppe der Ilztalbahn um Reinhard Schönberger, Matthias Plail, Heinz Nave, Martin Moosbauer und Stefan Hecker. Hier stehen diverse Arbeiten an der Strecke im Fokus. Neben der Daueraufgabe, die Vegetation aus dem Lichtraumprofil der Gleise zu halten, schlagen die ständigen Baumbrüche, die Pflege der Bahnübergänge, der Tunnels sowie der allein 317 Durchlässe im Bahndamm kräftig ins Zeitbudget.

Erfreulich: In dieser Saison fiel kein einziger Zug aus

In den letzten Wochen wurden zudem acht Waggons mit Schotter eingearbeitet, ein sogenannter „Schotterbesen“ der DB konnte anschließend kostengünstig zur Feinarbeit verwendet werden. Auch konkrete Verbesserungen – wie zum Beispiel Schwellenaustausch-Arbeiten – werden aktuell geplant. Fildhuth und Fleissner gaben unumwunden zu, „dass der Nikolaus gerne weitere aktive Mitarbeiter in unseren Gabensack vor der Bahnhofstür stecken darf“.

Prof. Dr. Thomas Schempf gab einen umfassenden Bericht zur Ilztalbahnsaison 2018 ab. Das heuer erstmals gewählte neue Fahrplankonzept – Neben- und Hauptsaisonbetrieb – habe sich sehr gut bewährt und wird 2019 (die Saison beginnt am 1. Mai) so fortgeführt. Einige Fahrten am Vor- und am Nachmittag waren häufiger an der Kapazitätsgrenze, auch die Gruppenbuchungen hatten nach rückläufigen Jahren eine wieder spürbar steigende Tendenz.

Besonders erfreulich: 2018 musste kein einziger Zug ausfallen, alles funktionierte eingespielt und planmäßig. Wermutstropfen für die Kalkulation waren die massiv gestiegenen Treibstoffpreise, so muss für 2019 über eine Fahrpreisanpassung nachgedacht werden.

Schempf machte kein Hehl aus seiner Meinung, dass die Ilztalbahn GmbH mit diversen Aktivitäten alles daransetzen werde, eine saisonale oder ganzjährige Reaktivierung zu erreichen. Das Fortkommen hierzu sei die seitens des Freistaats geforderte Potentialanalyse, „leider geht hier im dritten Jahr wegen der Bremser-Positionierung des Landkreises Passau nichts vorwärts“.

Schempf weiter: „Wer aus verkehrlicher Sicht Großereignisse wie das 50-jährige Nationalparkjubiläum 2020 oder die Landesgartenschau Freyung 2022 in attraktive Besucherangebote einbinden will, muss jetzt mit den Planungen beginnen. Denn klar sollte sein: In beiden Fällen werden viele Besucher auch mit der Bahn anreisen wollen.“ Die Ilztalbahn biete alle Voraussetzungen für einen – auch saisonalen – Regelbetrieb jetzt schon.“

Alle Fahrplandaten für die Ilztalbahnsaison 2019 können schon jetzt über die Auskunftsmedien der Deutschen Bahn und über die neugestaltete Homepage www.ilztalbahn.eu abgefragt werden.

Bericht: Hermann Schoyerer

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